KZBV zur EU-Auslandsbehandlung - Kostenvorteil oft schnell dahin:

"Umfangreiche Behandlung besser beim eigenen Zahnarzt vornehmen"

Anlässlich der EU-Osterweiterung zum 1. Mai hat die Kassenzahnärztliche Bundes-vereinigung (KZBV) ausdrücklich vor einem unüberlegten Zahntourismus in die neuen Mitgliedsländer gewarnt. "Wir raten den Versicherten, sich ausgiebig und genau zu informieren, bevor sie sich für Zahnbehandlungen in den neuen osteuropäischen Mitgliedsländern entscheiden", sagte der KZBV-Vorsitzende, Dr. Jürgen Fedderwitz.
Bei umfangreichen und aufwendigen Therapien mit Zahnersatz und insbesondere mit Implantaten sei der Kostenvorteil in diesen Ländern auf den ersten Blick deutlich und darum sehr verlockend. "Aber gerade bei diesen Behandlungen ist eine intensive Nachsorge notwendig. Und sollten Nachbehandlungen notwendig sein, die der Behandler über einen festgelegten Zeitraum kostenfrei zu erbringen hat, so werden die hiesigen Zahnärzte diese Nachbesserungen an ‚Auslandsversorgungen' in der Regel sicher nicht zum Nulltarif erbringen. So ist der Preisvorteil ganz schnell wieder dahin", warnte Fedderwitz. Ergänzend fügte er hinzu: "Der Patient in Deutschland hat klar definierte und einklagbare Ansprüche. Diese Rechtssicherheit hat er im Ausland sicher so nicht."

Keine Rechtssicherheit
Grund zu dieser Warnung geben auch die Ergebnisse einer aktuell vorliegenden Studie des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen in Rheinland-Pfalz. Dieser hatte 60 Patienten mit im Ausland vorgenommener zahnprothetischer Versorgung begutachtet. Lediglich 23 Prozent der Patienten hatten einen hinsichtlich Planung und Qualität zufrieden stellenden Zahnersatz erhalten. Bei fast allen (97 Prozent) der begutachteten Einzelkronen war nach Prüfung der Gutachter die Notwendigkeit der Anfertigung zumindest fraglich. Brückenversorgungen wiesen in mehr als 50 Prozent der Fälle erhebliche Mängel auf. Der Kostenvorteil, den die Patienten sich vor Beginn der Behandlung errechnet hatten, entwickelte sich in vielen Fällen zum Kostennachteil. Grundsätzlich haben deutsche Versicherte die Möglichkeit, Zahnärzte in den osteuropäischen Staaten aufzusuchen, die nun zur EU gehören, um sich hier gegen Rechnung behandeln zu lassen. Zu Hause erstattet die Krankenkasse die Kosten - allerdings nur für die Behandlungen, die auch hier erstattet werden, und nur bis zu der Höhe, die auch im Inland übernommen wird.
siehe auch unter: www.bzaek.de/patient-inneu.asp
Vertrauensverhältnis
Dr. Fedderwitz: "Zahnersatz ist etwas anderes als ein Autoersatzteil. Das Vertrauens-verhältnis, das der Patient zu seinem Zahnarzt aufbaut, ist eine wesentliche Voraus-setzung für eine erfolgreiche und für den Patienten zufrieden stellende Zahnbehandlung. Wir raten unseren Patienten deshalb, sich auch weiterhin kontinuierlich von ihrem Zahnarzt in der Nähe behandeln zu lassen. Damit steht zahnmedizinisch kompetente Hilfe auch kurzfristig in Notsituationen zur Verfügung."

Quelle: DZW Ausgabe 20/04
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